Woche #3 – 40-Stunden-Arbeitswoche? Ich will mich engagieren!
Zwei Erstberatungsgespräche. Zwei Personen, die eine weiblich, die andere männlich. Beide ca. in meinem Alter. Beide Personen sind Eltern, arbeiten 40 Stunden die Woche. Dennoch war die Frage: Ich will mich engagieren, was habt ihr?
Habt ihr auch so etwas bereits erlebt?
Eine Person war sich sofort sicher, sodass unmittelbar vermittelt werden konnte. Die andere Person erhielt ihre Empfehlung ein paar Tage später. Nun kümmern sich beide im Rahmen der Nachbarschaftshilfe in Straubing um Senior*innen.
Ich bin immer noch gerührt und staune über die beiden Gespräche. Aber mich wundert es auch nicht. Sich ehrenamtlich zu engagieren ist mehr, als nur seine Freizeit irgendwie zu verbringen. Es ist die Suche nach Sinn, nach Identifikation, nach Ausgleich, nach Neuem, nach Menschlichkeit, es ist das bewusste Eintreten für demokratische und soziale Werte!
Wir im Freiwilligen Zentrum Straubing verstehen das Ehrenamt noch im klassischen Sinne, das heißt als freiwilliges, unbezahltes Engagement zum Wohle der Gesellschaft. Unsere Freiwilligen sind damit einverstanden; es geht ihnen um die Tat, die Aktivität und um Werte, nicht um monetäre Belange. Sie wollen sich nicht bereichern, sie wollen bereichern.
Aber es gibt seit Jahren bereits den Trend, das Ehrenamt zu bezahlen. Es wird in Zukunft schwer werden, das klassische Verständnis des Ehrenamts noch zu verkaufen. Aber dieser Schwierigkeit stelle ich mich, denn ich weiß genau, dass kein Geldbetrag, keine Förderung, keine Pauschale das operationalisieren kann, was Ehrenamt eigentlich ausmacht.
Dennoch stellt sich die Frage: Ist das Ehrenamt mit Bezahlungen vereinbar? Und wohin führt uns diese Entwicklung?
