Woche #11 – Dreimal „Nein, das machen wir hier nicht!“

Ich bekomme einen Anruf. Eine Person meldet sich. Sie hätte eine Straftat begangen und müsste nun Sozialstunden ableisten. Ob wir dafür etwas anböten, fragt sie – Nein, das machen wir hier nicht. Warum? Bürgerschaftliches Engagement meint unter anderem, eine Sache freiwillig zu machen. Man tut nichts freiwillig, wenn man etwas ableisten muss.

Wieder ein Anruf. Morgen wäre ein Umzug geplant. Ob wir da nicht Leute bereitstellen könnten, die helfen – Nein, das machen wir hier nicht. Freilich sind bei uns auch Personen in der Datenbank gelistet, die durchaus bei einem Umzug helfen könnten. Bei ihnen kurzfristig anzufragen und sie am nächsten Tag für eine mehrstündige, körperlich anstrengende Tätigkeit einzuplanen, verwässert das Bürgerschaftliche Engagement zu einer impliziten Dienstleistung, deren man sich kostenlos, wann immer man möchte, bedienen könnte.

Ein dritter Anruf, dieses Mal Freitagnachmittag kurz vor Büroschluss. Am kommenden Montag würde für einen gerichtlichen Termin ein Dolmetscher gebraucht. Ob wir jemanden bereitstellen könnten – Nein, das machen wir hier nicht. Wir verfügen über einen Dolmetscher-Pool. Dieser ist aber begrenzt und die Dolmetscher*innen bieten ihre Unterstützung freiwillig an. Um das zu koordinieren, bedarf es wenigstens einer Woche Vorlauf, sofern überhaupt passende Dolmetscher*innen im Pool zu finden sind. Und einmal ehrlich: Welcher Gerichtstermin wird vier Tage zuvor erst bekanntgegeben?

Diese drei Fälle zeigen auf, a, wie wenig Verständnis bei einigen Menschen vorherrscht, was Bürgerschaftliches Engagement meint, b, wie schlecht sie sich vorher informieren, bevor sie eine Freiwilligenagentur kontaktieren, und c, welche teils erschreckende Bedienmentalität vorherrscht.

Wie kann man dem entgegenwirken? Kommunikation und Bildungsarbeit sind meine zwei Empfehlungen. Wer auf seiner Website etwa nicht klar abgrenzt, welche Leistungen eine Freiwilligenagentur erbringt, braucht sich nicht über solche Anfragen zu wundern. Daran arbeiten wir im Zuge unserer neuen Website im Freiwilligen-Zentrum Straubing. Ansonsten ist frühzeitig zu vermitteln, was Freiwilligkeit, was Ehrenamt und was Engagement meinen. In sämtlichen Bildungseinrichtungen sollte das thematisiert werden, wobei Freiwilligenagenturen gut diese Bildungsarbeit im Zuge von Vorträgen oder Projektwochen übernehmen könnten. Ein guter Seiteneffekt könnte dabei sein, eine neue Zielgruppe für das Bürgerschaftliche Engagement zu gewinnen. Die drei obigen Anrufe ließen sich daher recht einfach vermeiden, oder?

René Kanzler

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