Woche #9 – Senden ist kein Netzwerken, Konsum kein Umsetzen
Egal ob Presse, Messestand, Vortrag, Seminar oder Social Media – täglich sind wir von Sender*innen umgeben. Hier gibt es eine neue Weiterbildung, da eine Erfolgsmeldung, dort wird auf ein Projekt aufmerksam gemacht.
Gleichzeitig ist ständig vom „Netzwerken“ die Rede. Meinem Verständnis nach hat Netzwerken etwas mit gegenseitigem Austausch zu tun. Man informiert sich, man interessiert sich für die Gegenseite, man profitiert voneinander, man ist auch einmal im informellen Kontakt und vor allem: Man arbeitet gemeinsam an einer und für eine Sache.
Wer jedoch ständig sendet, das heißt, nur seine eigenen Projekte, Produkte und Services auf allen Kanälen anbietet sowie ausschließlich die nötigsten Floskeln verliert, um an „Partner*innen“ zu erinnern, richtet nur eine einseitige Kommunikation ein. Ein Netzwerk wird so nicht entstehen. Alles verkommt zur bloßen Beleg-, Image- und Werbearbeit. Es wirkt beinahe zynisch, wenn in diesem Kontext von (neuen) Kooperations- und Netzwerkpartner*innen die Rede ist.
Daher steht für mich fest: Wer den gegenseitigen Austausch nicht will und glaubt, Netzwerken sei ausschließlich eine Möglichkeit, sich und seine eigenen Angebote und Tätigkeiten herauszustellen, kann sich nicht als Partner*in von etwas verstehen.
Das Senden selbst hat zumindest das Gute an sich, dass ab und zu sinnvolle Informationen in die Welt getragen werden. Davon kann man profitieren. Newsletter, Artikel oder ganze Kurse und Seminare gibt es in Hülle und Fülle. Daraus kann man etwas mitnehmen. Merkwürdigerweise stellen sich nur wenige praktische Umsetzungen des Gelernten oder vielmehr Konsumierten ein, obwohl bei der Menge an Informationsangeboten zu erwarten wäre, dass sich vieles zum Besseren wendet, etwa darin, wie man die Öffentlichkeitsarbeit aufbaut, seine Finanzen stabilisiert oder interne Abläufe besser konzipiert.
Von Ressourcenknappheit einmal abgesehen, scheint mir das größte Problem darin zu bestehen, dass Gesendetes nicht mit Blick auf eine praktische Realisierung aufgenommen wird. Konsumiert werden die Informationen aus Interesse, vielleicht auch weil sie auf bestimmte Weise reizen, oft werden sie nur halbherzig aufgenommen, weil man von Informationen überflutet wird oder keine Zeit für eine reflektierte Auseinandersetzung besteht.
Für mich liegt es daher auf der Hand: Es nützt nichts, tausende Newsletter zu erhalten und zur zehnten Tagung oder Weiterbildung anzureisen, wenn am Ende doch nichts umgesetzt wird. Mein Rat ist an dieser Stelle, aus der Informationsflut herauszutreten und sich bewusst nur über das zu informieren bzw. sich das anzueignen, was wirklich gebraucht wird. In der Philosophie ist es seit Tausenden von Jahren bekannt: Vielwisserei lehrt nicht Verstand.
Für Sender*innen und Empfänger*innen gibt es daher genug zu überlegen und zu tun, bevor der nächste Runde Tisch, die nächste Versammlung oder der nächste LinkedIn-Post erstellt und konsumiert werden.
