Woche #7 – Asoziale Medien, die wir verantworten

Soziale, kulturelle sowie sportliche Vereine und Organisationen sind einerseits darauf angewiesen, ein bestimmtes Marketing zu betreiben. Angebote, etwa für das nächste Heimspiel oder die kommende Vernissage, müssen beworben werden. Andererseits bieten sie Inhalte, die gemeinwohlorientiert sind, denn es werden Angebote präsentiert, von denen alle etwas haben können. Wenn zwischen diesen zwei Polen eine Balance bestünde und sich dazu noch ein kommunikatives Community-Management herausbildete, könnten soziale Medien wieder ein viel interessanterer digitaler Raum werden.

Leider beobachte ich eine zunehmende Tendenz zum bloßen strategielosen Posten: immer das gleiche Layout für die immergleichen Veranstaltungen und Projekte. Dazu lächelnde Gesichter, denn nur Erfolge, aber nie Hindernisse und Widerstände werden kommuniziert. Statements werden höchstens an Aktionstagen wirkungslos in Phrasen gekleidet. Kommentare als Chance zum Austausch werden konsequent ignoriert. Diese verschwinden nach und nach, da niemand mehr nach unauthentischen und repetitiven Postings interagieren möchte.

Öffentlichkeitsarbeit, und so auch das Social-Media-Management, erfordert viel Zeit und Ressourcen. Daraus darf aber nicht die Strategie abgeleitet werden, nur noch Beiträge mit einseitigen Inhalten zu erstellen, um wenigstens irgendwie digital stattzufinden, und dabei den wichtigsten Aspekt sozialer Medien zu ignorieren: Es handelt sich um soziale (!) Medien. Menschen nutzen sie, um sich auszutauschen, Informationen zu erlangen, sich zu orientieren und in Kontakt zu treten.

Daher seien ein paar Gesichtspunkte angerissen: Inhalte werden nicht deswegen interessant für Zielgruppen, weil man sie intern als interessant befindet. Stattdessen sind Inhalte zu wählen, die für zu erreichende Ziele und Zielgruppen relevant sind. Sie müssen nicht immer trendgerecht aufbereitet werden. Besser gut mit einigen Slides informieren und inspirieren, als einen Trend-Hashtag zu bedienen und Zeit für den Videoschnitt zu verschwenden. Lieber weniger posten, dafür aber etwas Bedeutendes ansprechen; nicht nur die Erfolge darstellen, sondern authentisch bleiben. Nicht der Verkauf von etwas ist entscheidend, sondern das Motivieren, das Einladen und der Austausch. Ferner dürfen gerne Beiträge von anderen Vereinen und Organisationen geteilt werden. Die Orientierung an der guten Sache sollte wertvoller sein als der Drang, der Reichweitenprimus sein zu wollen und nur Eigenes zu bewerben. Und zu guter Letzt: Wer sich Zeit nimmt, einen Kommentar zu verfassen, der verdient es, eine Antwort zu erhalten – keine Emojis, keine schmallippige Bemerkung, sondern etwas mit Inhalt und Bedeutung.

Wenn wir in Vereinen und Organisationen solche Aspekte nicht beachten, tragen wir zur Weiterentwicklung der asozialen Medien bei. Ferner, und das mag noch schlimmer wiegen, widersprechen wir damit all unseren Leitbildern, die von hehren Werten und Ansprüchen ausgehen.

René Kanzler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert