Woche #2 – Die Puzzle-Herausforderung annehmen
Wer in einer Freiwilligenagentur, die Geschäfte neu übernimmt, fragt sich erst einmal: Wo soll ich hier überhaupt anfangen?
Es ist, als ob man ein Puzzle zu lösen hätte, das unzählige Teile aufweist, ohne dass klar zu erkennen ist, wo die Randteile sind, um wenigstens mit etwas beginnen zu können.
Allen, die sich in solch einer oder ähnlichen Situation befinden (werden), kann ich nur raten: Fangt einfach mit etwas an. Es spielt weniger eine Rolle, womit ihr startet. Wichtig ist, „Ja!“ zum Puzzle, das heißt „Ja!“ zur Herausforderung zu sagen, alle damit verbundenen Gefühle und Emotionen anzunehmen sowie sich am Zusammenfügen der ersten Teile zu erfreuen. Die Einarbeitung braucht Zeit sowie Geduld. Nicht nur die Kolleg*innen sollten geduldig sein, sondern auch jeder sich selbst gegenüber. Wer überreagiert und zu viel auf einmal erreichen will, läuft Gefahr, sich selbst im Wege zu stehen. Das frustriert einerseits und verschwendet Ressourcen andererseits.
Da wir im Freiwilligen Zentrum Straubing im Moment unsere digitale Infrastruktur stark optimieren, folgte für mich daraus die Priorisierung, nur die allernötigste Zeit, in die alte Infrastruktur zu investieren. Es ist stets zu fragen, ob es sich innerhalb eines Change-Prozesses beispielsweise lohnt, eine alte, bald neu zu gestaltende Website vollumfänglich zu pflegen oder Angebote zu bewerben, deren Texte und Grafiken zu verbessern sind. Oder ob es besser ist, nur noch das Nötigste zu tun, um die geplanten Veränderungen von Beginn an zu begleiten und deren Chancen zu nutzen.
Neben der Geduld ist es für das operative Geschäft besonders bedeutend, neu Gelerntes zeitnah selbst anzuwenden. Es spielt dabei keine Rolle, ob man sich langsam herantastet und nur Teilaufgaben selbst übernimmt. Wichtig ist das Anwenden. Dabei dürfen und sollten Fehler gemacht werden. (Das ist eine Phrase, die aber in Deutschland immer noch oft zu wiederholen ist, weil in der Mehrheit Fehler als etwas Negatives betrachtet werden.)
Je mehr man aktiv wird, umso besser verläuft der Lernprozess und man entlastet zusehends seine Kolleg*innen von Aufgaben, die sie im Zuge des Einarbeitens extra übernommen haben. Sie auf Augenhöhe zu sehen, sie als Mentor*innen zu betrachten, die einem alles Nötige beibringen, und sie schrittweise wieder zu entlasten, ist eine Form der Wertschätzung, die ich jedem zu Beginn seines neuen Jobs ans Herz legen will, selbst wenn man am Ende die Vorgesetzte/der Vorgesetzte ist.
Und jetzt einmal Hand aufs Herz: Wie geduldig seid ihr mit euch selbst? Wie viel Geduld bringen Kolleg*innen auf? Wie geht ihr mit Fehlern um? Und wie werdet ihr in stressigen Zeiten mit einem komplexen Aufgabenfeld fertig? Habt ihr besondere Tipps, die ihr gerne teilen möchtet?
