Woche #16 – Ein paar Fragen zur Ehrenamtskarte
Vor einigen Tagen nahm ich am Empfang für das Ehrenamt in Straubing teil. Es kamen zahlreiche Gäste. Neben hörenswerten Reden von Oberbürgermeister, Stadtratsmitgliedern und Vertreter*innen der Freiwilligen Feuerwehr stand die Auszeichnung von Engagierten mit der goldenen Ehrenamtskarte im Vordergrund. Obwohl die Veranstaltung rundum gelungen war und ich dankbar bin, daran teilnehmen zu können, begann ich über die Ehrenamtskarte nachzudenken.
In Bayern gilt: Wer mindestens 2 Jahre am Stück durchschnittlich 5 Stunden pro Woche ehrenamtlich tätig ist, bekommt die blaue Ehrenamtskarte. Wer das über 25 Jahre macht, erhält die goldene Ehrenamtskarte (es gibt freilich ein paar Ausnahmen). Besitzer*innen beider Karten haben meinen Respekt und meine volle Bewunderung.
Aber sind die Bedingungen zum Erhalt der Ehrenamtskarten (und die damit verbundene Wertschätzung) sinnvoll? Wer sich im Bereich Sport und Hilfsdienste (d. h. Feuerwehr, THW, Rettungsdienste etc.) einbringt, weiß, wie umfangreich das Engagement ist. Dort ist es recht leicht, die blaue Ehrenamtskarte zu erhalten. Und jeder verdient sie freilich für das unendlich bedeutende geleistete Engagement.
Was ist aber mit der Freiwilligen, die sich seit Jahren nur zwei Stunden pro Woche im Hospiz engagiert? Was ist mit dem Freiwilligen, der wöchentlich an einer Schule für eine Unterrichtsstunde beim Lesen unterstützt und an einem anderen Tag im Musikkreis einer Kita tätig ist? Was ist mit den Personen, die seit Jahren im Vereinsvorstand sitzen und sich dort tatkräftig engagieren, aber kaum auf die geforderten 5 Stunden pro Woche kommen? Und: Sind die blauen und goldenen Ehrenamtskarten mit den damit einhergehenden Vergünstigungen ausreichend für Menschen, die beispielsweise in der Freiwilligen Feuerwehr ihr Leben für andere aufs Spiel setzen?
Darauf habe ich keine endgültigen Antworten. Die Ehrenamtskarten sind ein wichtiger Baustein einer Anerkennungs- und Wertschätzungskultur für alle Freiwilligen. Ich denke aber, dass es sich lohnt, das Konzept „Ehrenamtskarte“ einmal zu überdenken und vielleicht sogar zu erweitern, um noch mehr regelmäßig engagierten Menschen zu danken. Und da die Ehrenamtskarten ein Baustein sind, ist für uns alle zu bedenken, dass Engagement, Freiwilligkeit und Ehrenamt auch auf anderen Wegen und täglich, nicht nur zu Empfängen, anzuerkennen und wertzuschätzen sind.
