Woche #15 – Gut gemeint ist nicht automatisch gut
In den letzten Wochen nahm ich an verschiedenen Austauschtreffen teil. Manche fanden online statt, manche analog. Im Moment habe ich mit den Treffen meine Probleme.
Ich bestreite nicht den Wert von Austauschtreffen. Wenn es nach mir ginge, könnten es sogar noch mehr sein, was aber in Anbetracht voller Terminkalender und des oft hohen Organisationsaufwands unrealistisch erscheint. Ebenso halte ich verschiedene Methoden für intensivere und zielführende Dialoge während der Treffen nicht nur für nützlich, sondern für notwendig. Dennoch gibt es einige Aspekte, die mehr Beachtung finden sollten, um Austauschtreffen noch besser zu gestalten.
Wenn etwa ein Treffen mit mehr als 60 Akteur*innen stattfindet (die Zahl ist frei gewählt), wird man nie die Zeit finden, mit allen Personen zu sprechen. Das liegt in der Natur der Sache. Daher sind Kleingruppengespräche sinnvoll. Aber auch Kleingruppen brauchen eine gewisse Leitung und Moderation. Wenn alle, die sich bereits kennen, sich wild über irgendwas austauschen, werden die eigentlichen Themen nur unzureichend behandelt. Ab einer gewissen Größe kann freilich die Leitungs- und Moderationsleistung nicht vollumfänglich erbracht werden. Dementsprechend ist auf eine passende Gruppengröße zu achten, die nicht überschritten werden sollte. Ferner sollten Kleingruppengespräche einen größeren zeitlichen Umfang erhalten. Sie sind es in der Regel, die einen wirklichen Austausch ermöglichen und zur Horizonterweiterung beitragen. In den üblichen 10 angesetzten Minuten kann das leider kaum geschehen.
Neben den Kleingruppengesprächen sind fachliche Impulse für alle Teilnehmer*innen essenziell. Dabei empfehle ich, auf zwei grundlegende Dinge zu verzichten: Erstens sollte niemals mit aussagelosen Statistiken gearbeitet werden. Wenn Zahlen nötig sind, sind sie zuvor auf Aussagekraft, Konsistenz und Nutzen zu prüfen. Zweitens kann ein Impulsvortrag gerne von einer Präsentation begleitet werden. Doch dann sollte auf die unnötige Wiedergabe jeder einzelnen Zeile auf jeder Seite verzichtet werden. Niemand sollte seine Zeit dafür opfern, sich etwas anzuhören, das man sich einfach durchlesen könnte.
Schließlich, und das ist mit Abstand der wichtigste Punkt, sollte jedes Thema, das auf der Tagesordnung steht, zumindest mit einer Auswahl der passenden Zielgruppe besprochen werden. Das heißt: Wenn über Senior*innen gesprochen wird, sollten Vertreter*innen dieser Gruppe anwesend sein. Das gilt analog für beliebig andere Personengruppen. Stellvertretergespräche nützen nichts und entwerten die Ergebnisse jedes Austauschtreffens.
Schenkt man den benannten Aspekten mehr Beachtung, werden Austauschtreffen, egal ob digital oder analog, für alle Organisator*innen und Teilnehmer*innen gewinnbringender. Gut gemeinte Treffen werden dann tatsächlich gut.
