Woche #1 – Guten Tag, ich bin …
Erinnert ihr euch noch an euren ersten Arbeitstag? Hattet ihr ein gutes Onboarding? Wusstest ihr zügig, was zu tun ist, wie Prozesse ablaufen, wer eure Ansprechpartnerinnen und -partner sind? Hattet ihr einen leichten Zugang zur IT und funktionierte alles auf Anhieb? Sicherlich wird es je nach Unternehmen, Strukturen und Kapazitäten bei euch sehr unterschiedlich verlaufen sein, oder?
In meinem neuen Büro im Dachgeschoss weilte die Juni-Hitzewelle noch. Draußen tobten heftige Gewitter, drinnen erhielt ich die ersten wesentlichen Informationen. Die Handkasse wurde mir übergeben, ebenso mein Arbeitslaptop und -Smartphone. Dann stand ich der Komplexität der Geschäftsleitung gegenüber: Kontakte, Termine, Abläufe, Deadlines, neue IT, Ideen, Meinungen, Pläne, Strategien, Strukturen … Viel zu viel – aber damit habe ich gerechnet.
Ohne die Kenntnisse und Hilfsbereitschaft meiner Kollegin, und ohne das erstellte Wiki meiner Vorgängerin wäre ich im reinsten Chaos gelandet. Dank des Einsatzes beider erhielt ich jedoch Informationen und Überblicke. So konnte ich am ersten Tag mit ein paar einfacheren Aufgaben beginnen.
Das alles zeigt: Eine neue Geschäftsleitung kommt ohne intensive Hilfe zu Beginn nicht aus. Wer meint, als Führungskraft sofort alles neu machen zu wollen oder zu können, weiß nicht um die Realität Bescheid. Erst gilt es zu schweigen, zu lernen und sich zu orientieren. Dann, wenn man die Sache und Abläufe versteht, ist Zeit für Optimierungen. Und nichts anderes werde ich nun tun, wobei das mit dem Schweigen nicht so einfach ist.
Denn neben dem Lernen sagte ich in den ersten Tagen zu vielen Menschen: „Guten Tag, ich bin Herr Kanzler, neuer Geschäftsleiter des Freiwilligen Zentrums Straubing.“ Besonders am zweiten Arbeitstag schüttelte ich auf der 5. Bildungskonferenz in Straubing unzählige Hände: Oberbürgermeister, Vertreterinnen und Vertreter von Kommune, Einrichtungen und Initiativen. Ich freute mich, dass ich mit allen sehr gut und sehr leicht in längere Gespräche fand, ohne im krampfigen Smalltalk zu enden. Das Resultat waren einige Visitenkarten, noch mehr Besuchseinladungen sowie Anregungen neben zahlreichen Glückwünschen zum Stellenantritt. Mein neues Umfeld fand ich sehr sympathisch – und ich meine, auch einen guten Eindruck hinterlassen zu haben.
Diese nun immer mehr entstehenden Netzwerke möchte ich festigen. Wenn es die Zeit zulässt, möchte ich präsent sein, Personen besuchen, aber auch digital den Kontakt halten. Beide Wege sind in der heutigen Zeit von Bedeutung und können, meiner Meinung nach, keinesfalls von einer KI übernommen werden.
Obgleich die erste Woche eine verkürzte war, freute ich mich doch sehr auf mein Wochenende, an dem ich mir bewusst wurde, welchen wunderschönen und herausfordernden Job ich begann.
